Dienstag, 27. Juni 2017
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Geschichte

Von Feuers-Not und Feuers-Wehr im alten Sendenhorst
Von Bernhard Fascies +

In den Annalen der Sendenhorster Geschichte finden sich seit dem hohen Mittelalter Nachrichten über Brände, die uns heute ihrer Zahl und Heftigkeit, wie der Schwere ihrer wirtschaftlichen Folgen nach überraschen. 
In Kriegszeiten war es allzuoft die Brandfackel der das Land mordend und sengend durchziehenden Soldateska, die der alten Martinusstadt harte Schäden brachten. 

In den glücklicheren Zeiten des Friedens verursachten nur zu häufig Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit der Einwohner verheerende Feuersbrünste.
Bereits in dem Jahre 1323 soll Sendenhorst von der ersten Brandkatastrophe getroffen worden sein. Über die näheren Umstände sind wir nicht mehr unterrichtet. 
Etwa zwei Jahrhunderte später, am 23. Oktober 1529, brannte mitten im Frieden die ganze Stadt - mit Ausnahme einiger Häuser im Süden und Westen 
innerhalb zweier Stunden vollständig nieder; auch der Kirchturm mit seinen fünf Glocken wurde vom Feuer zerstört.
Wie der Brand entstand, ist nicht bekannt.

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Der 3. November 1639 legte den Stadtteil zwischen dem Nord- und Osttor mit Ausnahme weniger Häuser in Asche. Etwa 80 Gebäude verbrannten. 
Am 29. Dezember 1650 entstand auf der Südstraße ein Brand, der 50 Häuser einäscherte; auch das Rathaus ging in Flammen auf. 
Es wird uns berichtet, dass sechs lange Jahre vergingen, ehe die Bewohner in der Lage waren, die Häuser wieder aufzubauen. 
So schwer hatte der 30jährige Krieg die wirtschaftliche Kraft der Sendenhorster geschwächt. Im Jahre 1666 brannten etwa 18 Häuser nieder. 
Der Brand ist dadurch entstanden, daß der Blitz in das ehemalige Sechlersche Haus schlug - vermutlich auf der Stelle des heutigen Siekmannschen Hauses. 
Das Pfarrhaus, das dicht am Brandherde lag, blieb vom Feuer verschont. Zu den größten aller Brände zählt die Feuersbrunst am 19. September 1749. 
Mehr als 100 Häuser, in denen die Ernte schon zum größten Teil aufgespeichert war, gingen in Flammen auf. 
Auch das Pfarrhaus wurde an diesem Tage von den Flammen vollständig vernichtet. Wie es heißt, war die Ursache des Brandes eine leidige Unsitte früherer Jahrhunderte, das Flachstrocknen.
Zwei Jahre später, am 17. April 1751, stand wieder die ganze Weststraße in Flammen. 
An dem neuerbauten Pastorat brannte das Dach nieder. Am 10. April 1764 abends entstand ein Brand, dem 17 Häuser zum Opfer fielen. 
Ein sechsjähriger Knabe war mit einer Öllampe auf die Hille geklettert, um ein Huhn zu fangen; diese Unvorsichtigkeit hatte die bitteren Folgen.
Die Feuersbrunst am 29. April 1806, begünstigt durch einen heftigen Wind, forderte in wenigen Stunden von den 280 Häusern außer den Nebengebäuden 141, Privathäuser im Werte von etwa 2 Mill. Mark wurden vernichtet.

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Auch der Turm der alten Kirche mit vier Glocken, das Rathaus und Pfarrhaus wurden ein Raub der Flammen. 
Nur die Südstraße und ein Teil des Nordviertels blieben verschont. Unbeschreiblich waren Jammer, Elend und Not, wenn auch die Verluste zur Hälfte aus Versicherungsgeldern gedeckt wurden. 
Die meisten Bewohner hatten nicht die Möglichkeit, ohne drückende Schuldenlast ein bescheidenes Heim wieder aufzubauen, obwohl den Unglücklichen Hilfe von auswärts kam. 
Die Kollekten, die die Sendenhorster in der näheren und weiteren Umgebung durchführten, brachten die Summe von 3304 Rtlr. ein, von denen am 5. Juni 1807 2978 Rtlr. zur Verteilung kamen.

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Dabei wurde für die geschädigten Hauseigentümer und für die Mieter je ein besonderer Verteilungsmodus gewählt. 
Erstere wurden entsprechend der Bedürftigkeit in fünf Klassen eingeteilt, von denen die erste Klasse 35 Rtlr. und die fünfte 8 Rtlr. erhielt. 
Die Mietbewohner, die in drei Klassen eingeteilt wurden, erhielten als Beihilfe für ihre geschädigten Mobilien in der ersten Klasse 8 Rtlr., in der zweiten 4 und in der dritten Klasse 2 Rtlr

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Eine weitere Hilfe erwartete die durch den Brandschaden hart getroffene Bevölkerung Sendenhorsts von ihrem König. 
Als 1803 das Münsterland in dem König von Preußen seinen neuen Landesvater erhalten hatte, hatte dieser beim Regierungsantritt feierlich versichert,
„allen mit königlicher Huld und Gnade und Landes väterlichem Wohlwollen jederzeit zugetan zu sein." Im Vertrauen auf dieses Versprechen wandten sich die Bürger durch ihren Pfarrer Darup und Bürgermeister Kocksam2. Mai 1806 mit einem Bittgesuch nach Berlin. Der König ging sofort auf die Bitte ein und bewilligte eine Unterstützung von l 000 Talern und 200 Stück Bauholz aus dem Tiergarten zu Wolbeck.
Nun wäre es schön gewesen, hätte der König mit der Absendung des Briefes auch die Absendung des Geldes veranlasst. Im Herbst desselben Jahres brach aber mit Napoleon das Unglück über Preußen herein, und durch den 1-rieden von Tilsit kam unsere Heimat unter die Herrschaft der Franzosen. Infolgedessen ist die Übersendung des Geldes unterblieben.
Schweren Herzens musste sich Sendenhorst zunächst mit dieser Tatsache abfinden. 
Nach dem Befreiungskriege 1X13 jedoch wirkten die Brandgeschädigten auf den Bürgermeister Langen ein. dass er in einem erneuten Gesuch an das Gnadengeschenk erinnerte. Langens Eintreten für die Bürger brachte ihm eine schwere Rüge von dem Landesdirektor ein, der es nicht bloß eine Unbescheidenheit, sondern eine Zudringlichkeit erster Große nannte, wenn die Stadt jetzt schon an das unter ganz anderen Umständen zugesicherte Unterstützungsgeschenk „erinnern" wollte. 
Der untertänige Bürgermeister durfte keine weiteren Sehritte unternehmen. 
Statt seiner wagte der Kämmereirendant Sürmann, der besonders geschädigt war, weil er in Pflichttreue die Kasse bei dem Brand in Sicherheit gebracht hatte und dabei seine Habe im Stich lassen musste, ein Gesuch direkt an den Oberpräsidenten von Vincke /u richten. Diese Bemühungen hatten etwas Erfolg. Durch Kabinettsorder vom 15. Oktober l S 17 wurden die ersten 5000 Rtlr. überwiesen, aber in entwerteten Staatsschuldscheinen mit einem Wert von 3569 Rtlr. Es war eine späte und darum auch weniger bedeutungsvolle Hilfe, die Sendenhorst durch die königliche Gnade schließlich noch erfuhr. In der Hauptsache ist es aus eigener Kraft wieder erstanden.
Fragen wir nach den Ursachen dieser häufigen, in jedem Jahrhundert mehrfach sich wiederholenden Feuersbrände, so ist zuerst auf das Trocknen des Flachses in den Backöfen oder auf den Stubenöfen hinzuweisen. Weiterhin begünstigten Anlage und Bauart der noch allgemein mit Stroh gedeckten Häuser, sowie die Lebens- und Wohnverhältnisse die Feuersgefahr. Hinzu kam die beengte Lage der Häuser, die sich dicht aneinanderdrängten, so dass im Falle eines Brandes gleich auch die Nachbarschaft in Flammen aufzugehen drohte. Löscheinrichtungen waren zumeist unzureichend und primitiv.

Als dem Landsturm noch der Brandschutz oblag

Weit vor der Gründung der Freiw. Feuerwehr im Jahre 1885 gab es in Sendenhorst eine Feuerordnung zur Organisation des Löschwesens bei Feuersbrünsten. 
Es ist das Verdienst des Bürgermeisters Langen, daß er das Feuerlöschwesen in Sendenhorst aufgrund der Feuerordnung des Königl. preuß. Landsturmoberkommandanten Frhr. von der Leither aus dem Jahre 1815 organisierte. 
Nach dieser Feuerordnung hatte das Löschen der Feuerbrünste einzig und allein durch den Landsturm zu geschehen. 
Bei ausbrechenden Bränden mußten sich alle unter den Befehl des Landsturmkommandanten stellen. 
Zufolge dieser Verordnung übertrug Bürgermeister Langen im Jahre 1816 dem Landsturm die Aufgaben des Feuerlöschwesens in seinem Distrikt und 
bildete unter Aufsicht des Magistrats eine Brandkommission. 
Sie wurde geleitet von dem Gastwirt Schwarte und dessen Stellvertreter Kaufmann Bücker. 
Da das Kirchspiel Sendenhorst eine Gemeinde für sich bildete, aber zu Sendenhorst gehörte, wurden auch einige Bauern mit in die Kommission bezogen. 
Diese hielt alljährlich eine Feuerschau ab und sorgte dafür, daß die Vorschriften der Feuerordnung genau beachtet wurden. 
Sie hatte alles zu beseitigen, was die Feuersgefahr erhöhte und dafür zu sorgen, daß der lederne Feuereimer und der Haken am rechten Platz waren, daß sich 
die Laterne in gutem Zustand befinde und vor allem, daß die Rauchfänge in der vorgeschriebenen Frist gereinigt wurden. I
m Sommer hatte jeder Bürger beim Anzuge eines Gewitters einen Kübel Wasser vor seine Tür zu stellen. 
Bei einem Brand führte die Brandkommission die Aufsicht. Die Bauern hatten die Aufgabe, von der benachbarten Gemeinde die Notpumpe zu holen. 
Hierfür erhielten sie eine Belohnung, und zwar bekam derjenige, der zuerst an der Brandstelle anlangte, 5 Reichstaler, der 2. 4 Reichstaler usw.; im Weigerungsfalle wurde eine empfindliche Strafe festgesetzt. Um eine gewisse Einteilung der Hilfsbereiten zu haben, wurden aus dem Landsturm Spritzen- und Eimerkompagnien gebildet, ferner eine Feuerhaken-, Leiter- und Wasserkompagnie. Die Spritzen- und Eimerkompagnie wurden in je 2 Kompagnien aufgeteilt, die sich wiederum in drei Abteilungen gliederten.

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Die Kompagnien hatten die Aufgabe, mit Hilfe von Fahrtonnen und Traggefäßen nach Art der „Eimerketten" das Wasser zu befördern. 
Eine Abteilung stellte das Kirchspiel; sie hatte aber nur dann anzutreten, wenn der ganzen Stadt Gefahr drohte. 
An der Spitze jeder Abteilung stand ein Kapitän und nach ihm ein Leutnant. Aus diesen Anfängen hat sich im Laufe des vorigen Jahrhunderts in Sendenhorst die Freiw. Feuerwehr entwickelt.

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100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Sendenhorst

Anno 1885 wurde die Freiw. Feuerwehr ins Leben gerufen, ausschlaggebend für die Gründung waren zwei Brände, die sich im Sommer 1885 ereigneten. 
Am 9. August 1885, einem Sonntag, brach abends auf dem Südgraben ein Brand aus und zerstörte das Linnemann'sche Haus. 
Drei Tage darauf, am 12. August, entstand auf der Südstraße ein Großbrand. 
Der Schmied Arnskötter verbrannte auf seiner Esse das anlässlich der Firmungsreise des münsterschen Bischofs Johann Bernhard zur Ausschmückung des Hauses verwandte Fichtcngrün. 
Plötzlich griff das Feuer auf das Haus über, verbreitete sich auf die Nebengebäude, schlug quer über die Straße und zerstörte gleich dem Arnsköttcrschen Hause die Häuser von Lewe, Westmeier und Kammann. 
Schulkinder aus der damaligen Zeit als Augenzeugen wussten noch zu berichten, wie an dem Vormittag des 12. 08. 18X5 die Brandglocke dumpf vom Turm erklang und alt und jung, Frauen und Männer zur Südstraße eilten und gemeinsam eine Eimerkette von der Brandstelle bis zur Südenbleiche (Helmbach) bildeten. 
Dass die Feuersbrunst nicht weiter um sich griff, war der Unterstützung der zu Hilfe eilenden Freiw. Feuerwehren von Ahlen, Drensteinfurt und Münster zu verdanken, 
die - ausgestattet mit zeitgemäßen Hilfsmitteln - Sendenhorst damit vor einer Brandkatastrophe bewahrten, die es in den Jahrhunderten vorher wiederholt erlebt hatte.
Zur Gründung einer einheimischen Freiwilligen Feuerwehr lud ein Vorbereitungs-Komitee zu einer Versammlung am Sonntag, dem 23. August 1885, im Horstmannschen Saale (später Werring) ein. 300 bis 400 Personen waren der Einladung gefolgt. 
Die Versammlung, die den Kaufmann Wilhelm Everke zum Protokollführer wählte, beschloss einstimmig die Gründung einer Freiw. Feuerwehr und genehmigte die vom Vorbereitungs-Komitee ausgearbeiteten Statuten. 
115 Versammlungsteilnehmer meldeten sich spontan als aktive Mitglieder zu der neuen Feuerwehr, ('lief der Wehr wurde Bauunternehmer Heinrich Brandhove, sein Stellvertreter Brennereibesitzer Theodor Bonse. 
Zu Führern der Steiger bestimmte man Schreinermeister Wilhelm Klingelmann und Kaufmann Wilhelm Everke, der gleichzeitig das Amt des Schriftführers und Kassierers zu verwalten hatte. Spritzenführer wurden Apotheker Albert Peus und Rendant Wilhelm Düning, Führer der Wassermannschaften Gastwirt Peter Schulte und Böttchermeister Heinrich Bücker, Führer der Ordnungsmannschaften Brennereibesitzer Johannes Vissing und Schuhmachermeister Heinrich Spithöver.
Am Tage nach der Gründung, am 24. 8.1885 fand in Anwesenheit des Bürgermeisters Albring die erste Generalversammlung der jungen Wehr statt. 
Man nahm die Einteilung der Mannschaften vor, die Auswahl der Uniformstücke und Geräte. Acht Tage nach der Gründung fand unter vollständiger Beteiligung der Wehr die erste Übung statt; sicherlich ein besonderes Ereignis zur damaligen Zeit.
Der Grundstein war gelegt. Die ersten Ausrüstungsgegenstände waren eine Handdruckspritze, die von der Stadt Ahlen zur Verfügung gestellt wurde, sechs große Wasserbehälter und sechs Hakenleitern für die Steiger. Diese machten ihre Übungen vorerst an dem Hause Klingelmann, Nordstraße (später Th. Linnemann). 
Die Wasserbehälter standen stets gefüllt auf dem Markt-Platz. Schon bald kam es zum Bau eines Steigerturmes, und zwar auf dem Schulhof der Knaben. Planmäßig wurden Übungen abgehalten. Um die Schlagkraft für den Ernstfall zu erhöhen, schlössen 1891 sich die Feuerwehren der drei Gemeinden Ascheberg, Drensteinfurt und Sendenhorst zu einem Feuerwehrverband zusammen.
1893 legte Bauunternehmer Heinrich Brandhove wegen seines hohen Alters sein Amt als Chef nieder. 
In Anbetracht seiner Verdienste um die Feuerwehr wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Ihm folgte Theodor Bonse. 
Auch unter seiner Regentschaft stellte die Wehr unter Beweis, dass der organisierte Wille zur Selbsthilfe auf gemeinnütziger Grundlage bereits tiefe Wurzeln geschlagen hatte und dass eine beispielhafte Kameradschaft ihr Lebenselement war.

1898 erhielt die Wehr 2 Handdruckspritzen moderner Bauart. 
Als 1906 wegen Krankheit und Alters Th. Bonse sein Amt als Chef zur Verfügung stellte, wählte man Bürgermeister Wilh. Hetkamp zum Chef und Wilhelm Everke zum Vizechef. Hetkamp hatte das Amt kaum ein Jahr inne, als am 17. Februar 1907 Brennereibesitzer Wilhelm Everke zum Wehrführer gewählt wurde. 
Zum Wohle der Heimatstadt wurde nun fleißig weitergearbeitet. 
Durch das regelmäßige Üben stieg die Leistungsfähigkeit der Wehr von Jahr zu Jahr. 
1909 bekam die Wehr zur besseren Bekämpfung des Feuers eine mechanische Leiter von 10 Meter (Magirus, Ulm). 
Das Jahr 1910 brachte anstelle des baufällig gewordenen Steigerturmes auf dem Schulhofe einen neuen Steigerturm mit dem Spritzenhaus in der Mühlenkuhle. 
Unter Beteiligung der Wehren aus den Nachbargemeinden und unter lebhafter Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung konnte am 7. und 8. August 1910 das 25jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert werden.

Es waren Tage des Stolzes und der Freude. Pflichterfüllung, Geselligkeit und Kameradschaft verbanden die Wehrleute zu einer echten Gemeinschaft.
1914 bewölkte sich der politische Himmel in Europa. Der erste Weltkrieg warf seine Schatten voraus. 
Er schnitt auch tief in das Leben und Wirken der Feuerwehr ein. Viele Männer mussten sofort ins Feld rücken. 
Folgende Wehrleute starben den Soldatentod:
Richard Schmilz, Nordstraße, 8. August 1918, 
Bernhard Wegmann, Schleiten, 18. September 1916
Mit viel Arbeit und heimatlicher Verbundenheit kam man über die Jahre des Krieges, der Nachkriegszeit und Inflation hinweg. 
Das Jahr 1925 sah die Wehr wieder in technisch fortschrittlichem Aufbau. Sie erhielt damals eine selbstgebaute elektrische Pumpe. 
Im gleichen Jahre feierte sie das 40jährige Bestehen, das bei der Volkstümlichkeit, die die Wehr nun einmal genießt, zu einem Erlebnis weiter Schichten der Bevölkerung wurde.

Ohne Rast und Ruh ging der Chef Wilhelm Everke in der Folgezeit an die Aufgaben heran. 
Steigerturm mit Spritzenhaus wieder in den Mittelpunkt der Stadt zu bringen, damit bei Bränden für jeden Stadtteil gleich schnell die Spritze herbeigeschafft werden konnte. Auch ein Banner sollte die Wehr bekommen, ebenso die Ausrüstungsgegenstände sollten erweitert werden. 
Der neue Steigerturm und das Gerätehaus, ein massiver Bau von mehr als 16 Meter Höhe und der allen neuzeitlichen Anforderungen Rechnung trägt, fand seine Stelle auf dem Placken (früheres Wohnhaus des Bernh. Bolte). 
Der Entwurf stammt von dem Bauunternehmer Anton Brandhove von hier, und erbaut wurde der Turm von Maurermeister Josef Schmies. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Juli 1928.
Die Einweihung des neuen Steigerturmes und Spritzenhauses gestaltete sich im Sommer 1928 zu einer großen Feier. 
Am Samstagabend beleuchteten 16 elektrische Scheinwerfer der Elektrizitätswerke Westfalens die Kirche von allen Seiten und hoben sie wundervoll gegen den dunklen Nachthimmel ab. Am Festtag waren die befreundeten Wehren aus den Nachbargemeinden erschienen. 
Ein großer Festzug fand statt. Herr Bürgermeister Austrup überreichte dem Chef der Wehr die Schlüssel vom Spritzenhaus, während der Landrat Fenner von Fenneberg die Enthüllung und Weihe der Fahne vornahm. Eine Anzahl Fahnennägcl wurde von den Nachbarwehren gestiftet. 
Die Fahne ist eine Schöpfung des hier geborenen Kunstgewerbelehrers Joe Jaspert. 
Sie besteht aus Rohseide, die in einer guten Farbkomposition handgemalt ist. 
Eine Seite trägt das Bild des hl. Martinus, des Patrons der Stadt, und des hl. Florian, des Schutzpatrons der Feuerwehr.

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Am 7. Oktober des gleichen Jahres verlor die Wehr durch Tod ihren Mitbegründer und an Erfahrungen reichen Führer und Organisator Wilhelm Everke. 
Seiner Persönlichkeit und steten Einsatzbereitschaft ist es zu danken, dass die Wehr ihre unvermeidlichen Krisenzeiten glücklich und ungeschwächt überstand. 
Der Name Wilhelm Everke bleibt in der Geschichte der Wehr ein Begriff. 
Es war geradezu tragisch, dass das Banner ihm als erstem Toten auf dem letzten Geleit vorangetragen wurde.
Nach seinem Tode wurde Bauunternehmer Anton Brandhove Chef der Wehr, der aber nur eine kurze Zeit das Amt innehatte. 
Er schied durch Tod aus, und zum /.weiten Male musste das neue Banner dem Chef der Wehr das letzte Geleit geben.
Am 27. Februar 1929 setzte man den Brennereibesitzer Heinz Everke zum Nachfolger ein. 
Es gelang ihm, die bewährte Einsatzbereitschaft der Wehr aufrechtzuerhalten und den an ihn gestellten Forderungen gerecht zu werden. 
Es ist die immer neue bleibende Aufgabe der Feuerwehr, mit den technischen Errungenschaften Schritt zu halten. 
Daher machte es sich auch der neue Chef zur Aufgabe, die Ausrüstungsgegenstände zu erweitern, zu verbessern und die Wehr zu motorisieren. 
1934 wurden die erste Motorspritze (Meyer,Hagen) und ca. 1000 Meter Schlauch angeschafft. 
Infolge der großen Umwälzung in der politischen Staatsordnung kam es zu einem Feuerlöschgesetz, wonach Feuerwehren zur Feuerlöschpolizei bestimmt wurden. Demzufolge mussten die Kameraden, die das 65. Lebensjahr vollendet hatten, ausscheiden und zählten zurr Altersabteilung. 
Es schieden damals aus:

Kötter, Hubert
Niermann, Josef; 
Schlüter, Heinrich;
Pöttken, Franz sen.;

1935 konnte die Wehr ihr goldenes Jubiläum feiern, an dem 49 Wehren aus den Kreisen Beckum. Münster und Warendorf teilnahmen. 
Einen solchen Aufzug hatte Sendenhorst noch nicht erlebt, und selten ist in Sendenhorst so viel gelöscht worden wie an jenem Tage. 
Von den 123 Gründern lebten nach 50 Jahren noch 7. Ihre Namen sind:

Jaspert, Hermann (Oststraße)
Bartmann, Josef (Oststraße)
Schulte, Heinrich (Kirchstraße)
Hagemann, Heinrich (Oststraße)
Hagemann, Bernhard (Oststraße)
Wessel, Bernhard (Südgraben)

Der inzwischen zum Ehrenbrandmeister ernannte Hermann Jaspert (Oststraße) hat in den 50 Jahren nachweislich nur in einer Vorstandssitzung gefehlt. 
Mit 78 Jahren nahm er noch an jeder Übung teil.
Es verdienen noch in Anerkennung der geleisteten Arbeiten für die Feuerwehr genannt zu werden die verstorbenen Wehrmänner Bernhard Kössendrup, Osttor, Johann Happe und Bernhard Lewe.
Als 1939 abermals Kriegsgefahren drohten, wurde die Bevölkerung in der Bekämpfung von Entstehungsbränden durch Lehrgänge unterrichtet. 
Hilfsfeuerwehrleute (Jugendliche) wurden ausgebildet. 
Gleich zu Beginn des Krieges 1939 wurden viele Wehrleute einberufen, 1943 auch der Hauptbrandmeister Heinz Everke. 
Er hinterließ seinem Vertreter, Oberbrandmeister Wilhelm Meyer, eine Feuerwehr, die den erhöhten Anforderungen des Krieges gewachsen war. 
Abgesehen von 187 Sprengbomben, die in Stadt und überwiegend im Kirchspiel gefallen sind, sind hier keine Brandbomben abgeworfen, so dass unsere Wehr nicht in Tätigkeit treten brauchte.
Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrten in die Heimat nicht zurück die Feuerwehrmänner:

Brokamp, Heinrich 28. 01. 41
Brünemann, Bernhard l. 11. 44
Dirkes, Josef 27. 6. 44
Greive, Bernhard 19. 7. 42
Holtel, Bernhard 19. 8. 41
Lackmann, Josef 15. 2. 45
Meyer, Willi 25. 8. 44
Thoms, Aloys 16. 7. 44
Timmes, Heinz 23. 5. 40
Winkelkemper (Hövelmann, Helmut) 22.10. 43
Schlüter, Heinrich in Rußland vermißt

1945 kam der große Zusammenbruch. 
Als nun später die Feuerwehrmänner in ihrer Uniform zu ihrer ersten Versammlung bei Josef Silling, Oststraße, zusammenkamen, ereignete sich ein interessanter Vorfall. 
Die Belgier, die hier zur Besatzung waren, sahen in den uniformierten Männern Soldaten. Mit Gewehren und Karabinern kamen sie in die Versammlung und wollten kraft ihres Amtes die Feuerwehrleute inhaftieren. Doch das Rätsel wurde schnell gelöst.
Zuerst hat man dem Feuerschutz weniger Bedeutung beigemessen, bis daß das neue Gesetz von 1948 den Schutz des Lebens und des Eigentums des Einzelnen und der Allgemeinheit bei Bränden, Unglücksfällen usw. den Wehren übertrug. 
Dieses Gesetz trennt den Feuerschutz im Gegensatz zur bisherigen deutschen Regelung von der Polizei und überführt ihn in die ausschließliche Zuständigkeit der Kommunal Verwaltungen. 
Mit gesetzlichen Maßnahmen aber ist die Gefahrenabwehr nicht durchzuführen, denn dazu gehören einsatzbereite Menschen, die mit neuzeitlichen technischen Mitteln und Einrichtungen ausgestattet sind. 
Die Feuerwehr ist kein Verein, sondern eine öffentliche Einrichtung, während der Zusammenschluss der Männer nach wie vor eine freiwillige, von Idealismus getragene Sache ist.
1946 erhielt die Wehr die zweite Motorspritze (Magirus, Ulm) und 1948 die dritte (Meyer, Hagen). 
Der große Wassermangel in der Stadt machte die Anschaffung der dritten Spritze erforderlich. Kurz darauf kam die neueste Errungenschaft:
Der Gruppenwagen.
Bisher war die ausreichende Bereitstellung des Feuerlöschwassers in der Stadt Sendenhorst ein ungelöstes Problem, da keine zentrale Wasserversorgung bestand. Dieser Sorge ist die Feuerwehr nunmehr enthoben, da 1950 die Stadt Sendenhorst an das Wasserwerk der Stadt Ahlen angeschlossen wurde. 
1950 feierte die Wehr am 13. und 14. August ihr 65jähriges Bestehen. 
Das erste große Jubelfest nach dem Kriege reihte sich würdig in den Reigen früherer Jubelfeste wie 1910 (25 Jahr), 1925 (40 Jahr) und 1935 (50 Jahr) ein. Selbstverständlich wurden auch das 45, 80 und 90jährige Bestehen gefeiert. 
Aber nicht nur Festlichkeiten machten das Leben in der Wehr aus, zahlreiche Einsätze wurden gefahren. 
Übungsabende abgehalten und die Ausrüstung der Wehr verbessert. 
Jeden ersten Mittwoch in den Sommermonaten rückte die Wehr zur Übung aus; gegen 21 Uhr trat sie geschlossen auf dem Placken vor dem Steigerturm an und marschierte unter Vorantritt der Musikkapelle zur anschließenden Dienstversammlung in ein Lokal. 
Dem damaligen Vorstand gehörten neben Wehrführer Heinz Everke als Stellvertreter, Zug- bzw. Gruppenführer die Kameraden Heinrich Brechtenkamp, Franz Pälmke, Bernhard Meyer, Theodor Hone, Anton Westhues und Josef Mertens sowie als Kassierer Paul Brinkschulte und als Schriftführer Alfred Mefus an.
Am 20. September 1967 verabschiedete die Freiw. Feuerwehr ihren langjährigen Chef, Hauptbrandmeister Heinz Everke, der gleichzeitig stellvertretender Kreisbrandmeister war und wegen Erreichung der Altersgrenze ausscheiden musste. 
Er hat die Wehr 38 Jahre geführt und wurde für seine Verdienste um das Feuerlöschwesen mehrfach hoch ausgezeichnet. 
Als Heinz Everke im Alter von 27 Jahren die Leitung der Wehr übernahm, zählte die Handdruckspritze noch zur gängigen Ausrüstung und als er den aktiven Dienst quittierte, besaß die Freiw. Feuerwehr ein neues Gerätehaus und verfügte über vier Einsatzfahrzeuge.
Bernhard Pälmke, seit dem 21.1.1966 stellvertretender Wehrführer, wurde am 20. 9. 1967 Chef der Sendenhorster Wehr. 
Wie sein Vorgänger hat er sich sehr für die Belange der Wehr eingesetzt, war ab 6. 6. 1972 stellvertretender Kreisbrandmeister und seit dem 27. 3. 1981 Stadtbrandmeister. 
Die Freiw. Feuerwehr verdankt Bernhard Pälmke ihre heutige Schlagkraft, die sich einmal in dem hohen Ausbildungsstand der durchweg jungen Mannschaft, zum anderen in der modernen Ausrüstung der Wehr mit ihren neuen Löschfahrzeugen zeigt.
Der 23. Juli 1967 war ein ganz großer Tag für die Sendenhorster Wehr; es war der Tag der Einweihung ihres neuen Gerätehauses, das für 300.000,— DM in der „Alten Stadt" an der Fröbelstraße errichtet worden war. Als die Freiw. Feuerwehr 1970 auf ihr 85jähriges Bestehen zurückblicken konnte, gehörten ihr 58 aktive Wehrmänner an, der Ehren- bzw. Altersabteilung 19 Kameraden. Chef der Wehr war Hauptbrandmeister Bernhard Pälmke, sein Stellvertreter Heinz Meyer. Dem Vorstand gehörten an: Kassierer Josef Bülte, Schriftführer Alfred Mefus; Beisitzer:
Heinrich Brokamp, Heinz Kaldewey und Helmut Puke. Zur Führung der Wehr ge-. hörten ferner die Brandmeister bzw. Unterbrandmeister Heinz Krienerniedick, Heinz Gersmeier, Ferdinand Kaldewey, Bernhard Münstermann, Josef Linnemann (Neustraße) und Reinhold Guski. Die Einsätze der Wehr verlagerten sich in den Jahren von Brandeinsätzen immer mehr zu Einsätzen als Hilfeleistung, vorwiegend hei Verkehrsunfällen. Seit der Anschaffung des KTW (Krankentransportwagen) nahm die Zahl der Hilfeleistungen ständig zu.
Am 20. 5. 83 wurde Bernhard Pälmke als Wehrführer wegen Vollendung des 60. Lebensjahres und am 16. 9. 83 in Rahmen der Feuerwehrverbandstagung des Kreises Warendorf als stellvertretender Kreiswehrführer aus dem aktiven Feuerwehrdienst verabschiedet. 
Zu seinen Verdiensten gehört nicht nur die Integrierung des Löschzuges Albersloh in die Wehr von Sendenhorst bei der kommunalen Neuordnung am 01.01. 1975, sondern auch die Gründung einer Jugendfeuerwehr und die personelle wie instrumentale Neubesetzung des Musikzuges der Wehr. Für seinen unermüdlichen  Einsatz hat ihm die Feuerwehr hohe Auszeichnungen verliehen.
Ab dem 26. 4. 83 wurde die Freiw. Feuerwehr von Hauptbrandmeister Heinz Meyer geleitet. Sein Stellvertreter war Bernhard Münstermann.
Die Wehr hat heute gemeinsam mit dem Ortsteil Albersloh 3 Löschzüge, 2 Jugendfeuerwehrgruppen.
Heute wird die Feuerwehr Sendenhorst von Franz Hunkemöller und Hein Linnemann, als Stellvertreter, geleitet.
Die Feuerwehr Sendenhorst hat sich in den vielen Jahren zu einer modernen und schlagkräftigen Feuerwehr entwickelt, die zum Wohle Ihrer Bürger 365 Tage im Jahr rund um die Uhr Einsatzbereit ist.

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